Ästhetik des Unfreiwilligen

Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs veröffentlicht das Institut für das Studium totalitärer Regime (Ústav pro studium totalitních režimů) im Band „Praha objektivem tajné policie (Prague Through the Lens of the Secret Police)“ Fotos der tschechischen Geheimpolizei. Als Dokumente der „Phase der Normalisierung“ nach dem Prager Frühling zeigen sie uns ein ziemlich graugesichtiges Prag. Einführende Essays fragen nach der ästhetischen Qualität dieser eigentümlich düsteren Form der Street Photography und legen historische und technische Fakten frei.

Prague Through the Lens of the Secret Police
Praha objektivem tajné policie / Prague Through the Lens of the Secret Police. ISBN 978-80-87211-11-3 © USTR.

Nur 14 Mitarbeiter beschäftigte die Geheimpolizei 1948, im Jahr der Gründung der sozialistischen Tschechoslowakei, im Lauf ihrer kurzen Geschichte wuchs der Überwachungsapparat kontinuierlich an, und zur Zeit der Samtenen Revolution gebot der kommunistische Krakenstaat über ein Spitzelheer von knapp 800 Mitarbeitern.

Freilich blieben die technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit begrenzt, und so mussten die Spione ihre noch analogen Kleinstkameras in präparierten Koffern oder Taschen verstecken. Beim ersten Durchblättern erscheinen dem Betrachter die oftmals unbeholfenen Aufnahmen denn auch wie Dokumente aus einer ganz fernen Zeit. Die ungemeine Distanz wirkt folglich zum einen historisierend, zum anderen rückt sie die Fotografien ganz unfreiwillig in einen neuen Wahrnehmungshorizont: Die orwellsche Perspektive trifft auf den genius loci der böhmischen Metropole und verwandelt die Aufnahmen in eine pervertierte Form der Street Photography.
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Fotografische Genzgänge

In den Jahren 2008 bis 2012 besuchte der tschechische Magnum-Fotograf Josef Koudelka immer wieder das Heilige Land für Panorama-Aufnahmen. Dokumentiert wurden die Aufenthalte, aus denen der Bildband „Wall“ entstand, im Film „Koudelka shooting Holy Land„, der in diesen Tagen beim Münchner Dokfest Deutschland-Premiere feierte.

Gilad BaramWährend der Neuen Rechten der Staat Israel als Vorbild nationaler Selbstbehauptung inmitten des islamistischen Terrorismus dient, sieht die extreme Linke im jüdischen Staat nichts anderes als einen Hort zionistisch-imperialistischer Finsternis. Dazwischen ist oftmals nicht viel, außer Political Correctness oder Desinteresse.

Wie sieht einer bedeutendsten tschechischen Fotografen das provozierende Staats-Gebilde im Nahen Osten? Josef Koudelka dokumentierte schon den tschechoslowakischen „Käfig“ und wurde nach der Emigration einer der stilbildenden Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts. Im Film „Koudelka shooting Holy Land“ begleitet der israelische Filmemacher Gilad Baram den Altmeister. Herausgekommen ist eine Art Werkstattbericht unter freiem Himmel, ergänzt durch kurze Reflexionen und Rückblicke Koudelkas.

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Bürgerlichkeit im Fin de Siècle

Wer sich nicht mit den Restaurants und Bars des Prager Gemeindehauses begnügen möchte und das Jugendstil-Gebäude ganz sehen will, muss eine Führung buchen. Was er dann zu sehen und hören bekommt, ist eine mitunter sehr bildgewaltige Geschichte über kulturelle Selbstbestimmung und moderne Architektur. Mehr als andere Art-Nouveau-Gebäude in Prag hat das Obecní dům damit ziemlich viel zu erzählen.

Prag Gemeindehaus

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