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Nusle

Wer spräche über Nusle, wenn er in Prag weilte? Vermutlich niemand. Führen alle touristische Wege doch ins Prager Herz an Karlsbrücke, Hradschin und Altstädter Ring.  Und doch lohnt ein Besuch in Nusle – findet man doch das, was im Herzen Prags sucht, aber echter Prager Lebensart abseits touristischer Hotspots. Und irgendwie unbezahlbar scheint. Echte Prager Lebensart.

Náměstí Bratří Synků

Sollte Expedia oder ein Couchsurfing-Portal den geneigten Leser nach Nusle locken, dann dürfte auch der Zentrum des Stadtteils nicht weit weg sein, nämlich der Platz der Gebrüder Synek, tschechisch weniger griffig Namesti Bratri Synku. Spätestens aber, wenn es von Nusle ins Stadtzentrum gehen, führt kein Weg am Namesti Bratri Synku vorbei. Der Platz ist nicht nur Zentrum, sondern auch Verkehrsknotenpunkt. Die Straßenbahnen führen zum Wenzelsplatz und zum Museum, in die andere Richtung stadtauswärts in die Randgebiete. Achja, die erste Tram fuhr 1914 nach Nusle, damals vom Bahnhof Vinohrady. Womit wir schon beim Baulichen und Kunsthistorischen angekommen sind.

Nusle

Und wie man fast schon ahnen kann, auch Zentrum des Stadtteils Nusle, das einst, von 1898 bis zur Eingemeindung 1922, noch nicht Stadtteil, sondern eigenständige Stadt war, und unweit des Náměstí Bratří Synků sein eigenes Rathaus hatte. Der Náměstí Bratří Synků wiederum sollte nach der Samtenen Revolution in Vaclav-Havel-Platz umbenannt werden. Das ging aber nicht, Plätze durften nach geltendem tschechischem Recht nicht nach lebenden Personen benannt werden.

Baulich finden wir an diesem Platz und seiner Umgebung das ganze Prisma der Architektur der Prager Jahrhundertwende. Von der Neo-Renaissance bis zum Jugendstil. Sehenswert ist vor allem das National-Haus (Národní dům) im Stil der Neo-Renaissance am Südende des Platzes in der Nuselská 2/1, Ecke Čestmírova 2/2. Schräg gegenüber beherbergt das

Spaziert man die Hauptstraße Nuselská weiter in Richtung Süden.

Vladimirova in Nusle – Jugendstil

Setzt man sich in die Straßenbahn Richtung Sporilov, findet man zwischen den Haltestellen Horky und Pod Jezerkou eines der skurrilsten Prager Jugendstilvariationen in der Nuselská 1422/59:

Nusle

Das Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1914. Als Architekten sind  Ludvík Melzer und Josefa Černy angegeben.

Wer ausgehen, essen und trinken möchte, findet in Nusle natürlich auch etwas. Zum Beispiel in der Western-restaurant. Italiener gibt’s in Prag zwar wenige, aber ein mehr als passables Restaurant schon. Die Karte zeigt , pIzza gibt es ab umgerechnet also 6 Euro. Ein echter Geheimtipp ist vor allem die Náký kafé. Die ist vor allem so insiderig, da diese Cafe-Bar praktisch nicht von Hauptstraße Otakarova und dem gleichnamigen Hotel geschweige denn vom Namesti Bratri Synku nicht einsehbar. Neben der obligatorischer Einladung zum mehr oder weniger komntrollierten Alkohol-Abusus gibt Musik es dort mitunter auch Musik-Events, Ausstellungen. Garantiert ohne Touristen und mit der ein anderen Überraschung. Wahrsager traf ich dort, tschechische Europa-Traveller zu Fuß und unzahlige Studenten.